Spielraum

"Das Kind anregen zu müssen, das glauben wir nur,
weil wir zu wenig Ahnung davon haben, was jeder Mensch an Entfaltungsmöglichkeiten mit auf die Welt bringt."
Heinrich Jacoby

Kinder brauchen beim Entdecken ihrer Welt oft viel weniger Begleitung von uns, als wir denken. In ihrem ganz eigenen Tempo und ihrer ganz eigenen, unterschiedlichen Art, können sie im Spielraum ihre Selbstsicherheit und Wendigkeit leben und die tiefe Befriedigung erfahren, die das mit sich bringt.
 Die Elternabende geben Raum für den Austausch über das Erlebte sowie Themen und Fragen aus dem Alltag.

Termine & Preise

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Ausführliche Information

Es ist Vormittag: Die Kinder kommen nach und nach auf ihre Weise und in ihrem Tempo in den Raum, der mit Materialien und Geräten entsprechend ihrer Altersstufe vorbereitet ist. Zum gemeinsamen Ankommen haben die Eltern die Möglichkeit kurz zu erzählen, wo sie gerade stehen.

Dann sucht sich die Mutter oder der Vater einen Platz am Rand und macht es sich dort bequem. Das Kind verweilt vielleicht für einige Zeit auf dem Schoß und schaut, was in diesem Raum geschieht. Früher oder später spürt es den Impuls, einen Gegenstand näher zu betrachten oder ein Gerät näher erforschen zu wollen. Manche Kinder entfernen sich weiter von ihren Eltern, andere bleiben in der Nähe und wieder andere nehmen etwas und kehren zu ihnen zurück.

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Mutter oder Vater sind wie ein Hafen, eine Basis, ein bekannter sicherer Platz. Das Kind ist das Schiff. Im Hafen gibt es Wärme, Geborgenheit und jemanden, der einem zuhört, jemand, der einen begrüßt und wieder verabschiedet. Das Kind spürt, wann die richtige Zeit gekommen ist, den Hafen zu verlassen. Fordert man es auf, etwas zu tun, ist es leicht irritiert und weiß nicht, ob es sich selbst oder dem Anderen folgen soll. Folgt es dem Wunsch des Anderen, ist es verunsichert, weil es auf sein eigenes Gefühl nicht zurückgreifen kann. Dann kann es auch mit Gefahren weniger gut umgehen und ist nicht mehr so offen für den Genuss, den die Fahrt bereitet.

Entscheidet sich das Kind aber selbst, fährt es in die Welt hinaus, um sie zu erkunden. Manche gehen gleich weit aufs offene Meer, andere schippern an der Küste entlang und entdecken dort eine Welt. Sind sie müde, kehren sie wieder zurück.

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Im Hafen gibt es auch einen Leuchtturm. Von dort aus kann man sehen, ob das Schiff in Seenot ist. Braucht das Schiff Hilfe, signalisiert es das deutlich und schießt eine Leuchtpistole ab. Der Hafen selbst ist nicht in Bewegung. Er ist einfach da, und er ist sehr wichtig. Das Kind weiß um ihn und ist sich seiner sicher. Damit der Funkverkehr zwischen Schiff und Hafen frei bleiben kann, ist es wichtig, dass Mütter oder Väter während der Zeit nicht miteinander sprechen.

Für die Ausflüge des Kindes braucht es eine gute Ausrüstung: eine bequeme Hose, in der Hüfte und Knie weit gebeugt werden können, und es sollte möglichst barfuss sein.

Fährt das Kind los, ist es schön, beim Abschied einen Blick zu bekommen, der sagt: „Ich wünsche Dir eine gute Reise. Ich weiß, dass Du ein guter Seefahrer, eine gute Seefahrerin bist und dich selber einschätzen kannst. Ich bleibe hier und bin da, wenn Du zurückkommst.“ Und wenn das Kind draußen mit den großen und kleinen Wellen tanzt, dann sehe ich es und freue mich mit ihm, wenn sich unsere Blicke begegnen.

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Oft haben wir eine Vorstellung im Kopf, was das Kind können sollte, und das versperrt uns den Blick für das, was es kann und was es unaufhörlich übt. Es macht unzählige Zwischenschritte, übt Nuancen, die zu Geschmeidigkeit, Selbstsicherheit und Wendigkeit führen und immer wieder ein tiefes, befriedigendes Gefühl hervorrufen.

Es gibt Zeit, in Ruhe sein Kind wahrzunehmen, auch im Zusammensein mit den anderen Kindern. Was braucht es an Begleitung und wie kann ich auch die Kinder untereinander begleiten, falls es nötig ist?

Die zusätzlichen Gesprächsabende stellen einen wichtigen Teil des Kurses dar, denn dort kann über die Erlebnisse im Spielraum gesprochen werden, aber auch über Fragen und Situationen aus dem Alltag: „Wie gelingt es mir, ein gemeinsames Leben zu gestalten, in dem das Kind Raum hat für das, was sich in ihm zeigen will und wie kann ich dabei meine eigenen Grenzen wahren?“

Der Einführungsabend ist die Voraussetzung zur Teilnahme am Kurs, da ich dort über die Idee des Spielraums und den Ablauf des Kurses erzähle.